Prof. Martin Vetterli

Präsident, EPFL (École polytechnique fédérale de Lausanne)

Prof. Martin Vetterli wurde 2017 zum Präsidenten der EPFL (École polytechnique fédérale de Lausanne) ernannt. Der Forscher und exzellente Kenner des Schweizer Bildungs- und Forschungswesens promovierte an der EPFL und kehrte nach einer Professur an der Universität Berkeley als ordentlicher Professor und Leiter des Labors für audiovisuelle Kommunikation (LCAV) zur EPFL zurück. Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeit sind Elektrotechnik, Informatikwissenschaften und angewandte Mathematik. Seine Arbeiten brachten ihm zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen ein. Er hat über 180 Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht, ist Co-Autor von drei Standardwerken und hat rund 50 Patente verfasst. Von 2013 bis 2016 war Prof. Martin Vetterli Präsident des Nationalen Forschungsrats des Schweizerischen Nationalfonds (SNF).

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2022

Ausschluss aus Forschungsprogramm «Horizon» hat weitreichende Konsequenzen

Die Präsidenten der beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen in Zürich und Lausanne sprachen mit Moderator Urs Gredig auf der SEF-Bühne über den Ausschluss der Schweiz aus dem europäischen Forschungsförderprogramm «Horizon» und dessen gravierende Konsequenzen, die Positionierung der Hochschulen im Ukraine-Krieg und gesunde Konkurrenz.

Beim Ausschluss von «Horizon» gehe es nicht primär um Geld, verheerend sei vor allem, dass die Vernetzung und Beteiligung wegfallen, sagte Prof. Joël Mesot, Präsident der ETH Zürich. Das schwäche die Forschungsstandorte Schweiz und auch ganz Europa empfindlich. «In den USA oder in Asien neue Partnerschaften aufzubauen, braucht extrem viel Zeit und ist mit einer ganzen Reihe von Problematiken verbunden.» So seien dort die Werte und Rahmenbedingungen anders.

EPFL-Präsident Prof. Martin Vetterli betonte, dass es bereits eine Erosion von Know-how und Talenten gebe. Insbesondere Start-ups, die als Spin-offs der ETH oder EPFL gegründet wurden, würden ihre Standorte ins Ausland verlagern. Letztlich gehe es hier nicht um die Hochschulen, sondern um die Schweiz. «Dass ein kleines Land, das von Internationalität gelebt hat, einfach ein paar Jahre aussetzt bei Europa, das ist nicht die Realität der Schweizer Wirtschaft.» Das werde sich in ein paar Jahren rächen. Deshalb forderte er die Wirtschaftsvertreter auf, hier Druck auf die Politik auszuüben.

Schliesslich unterstrichen Mesot und Vetterli, dass sie weiterhin zu ihren Mitarbeitenden sowohl aus der Ukraine als auch aus Russland in ihren Institutionen stehen werden und auch die wissenschaftlichen Kontakte mit Russland aufrechterhalten. «Diese Brücken abzubrechen, wäre sehr gefährlich», zeigte sich Vetterli überzeugt.