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Für den SEF.Award sind im Bereich Dienstleistungen drei junge Unternehmen aus der Deutschschweiz nominiert. Auch sie stellten sich vor der Preisverleihung dem SEF-Publikum vor.

Pickwings bringt Warenversender und Transportfirmen auf einer Online-Plattform in Echtzeit zusammen und ermöglicht durch digitalisierte Prozesse und bessere Auslastung 20 Prozent der Frachtkosten und 50 Prozent des Administrationsaufwands einzusparen. «Bis anhin haben wir mit unserer Lösung rund 1 Millionen Leerkilometer auf Schweizer Strassen vermeiden können», sagte CEO Marc Bolliger in seinem Pitch.

Das 2016 gegründete Start-up PriceHubble bietet Marktteilnehmern entlang der gesamten Immobilien-Wertschöpfungskette innovative digitale Lösungen basierend auf Big Data Analytics und Machine Learning. «Wir geben unseren Kunden das Versprechen, den Immobilienmarkt transparenter zu machen», so der Gründer und Chairman Dr. Stefan Heitmann am SEF.

Procivis verfolgt das Ziel, allen Bürgern auf der Welt eine sichere und staatlich anerkannte digitale Identitätslösung zur Verfügung zu stellen. «Der öffentliche Sektor muss im digitalen Zeitalter erst noch ankommen», erklärte Daniel Gasteiger, CEO und Mitgründer des Jungunternehmens mit Sitz in Zürich, in seinem Pitch. «Wir wollen die Regierungen dabei weltweit unterstützen.»

«Ich war noch nie so inspiriert und motiviert»

Im SEF-Bootcamp Next.Gen erhielten 30 Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren in den vergangenen Tagen Einblick in das Unternehmer-Leben. «Man bekommt jeden Tag so viel Inspiration, dass man sie kaum verarbeiten kann», schilderte die 17-jährige Gymnasiastin und Camp-Teilnehmerin Venus Mijatovic ihre Eindrücke am SEF. «Ich bin noch nie jeden Tag mit so viel Motivation aufgestanden.» Next.Gen habe sie darin bestärkt, einen Weg als Unternehmerin einzuschlagen. Der ebenfalls 17-jährige Amin Casutt sagte, ihm sei im Camp klar geworden, dass es als Unternehmer zentral sei, nicht aufzugeben, wenn auf die Anfangseuphorie das erste Loch folge. Zudem forderte Amin die SEF-Teilnehmenden auf, ihre Positionen dafür einzusetzen, einen Beitrag zur Lösung der globalen Probleme zu leisten. «Die Leute hier drin können mehr bewirken und schneller etwas bewegen als viele andere.»

SEF.Award-Gewinner stehen fest
New Roots (Kategorie Produktion/Gewerbe), PXL Vision (Hightech/Biotech) und Pickwings (Dienstleistungen) sind die Gewinner des Swiss Economic Award am SEF19. PXL Vision-CEO Michael Born hatte den SEF.Award bereits 2011 mit seiner ersten Firma Dacuda AG erhalten und ist nun der erste SEF.Award-Doppelgewinner.
«Es war ein spannender, praktisch ausgerichteter Jahrgang mit einem starken Fokus auf Nachhaltigkeit», sagte Jurypräsidentin Monika Ribar im Hinblick auf alle neun Finalisten im Rahmen der Preisverleihung des bedeutendsten Jungunternehmerpreises der Schweiz. Das zeige, dass das Thema nicht erst seit dem Hype um Greta Thunberg bei Unternehmern angekommen sei. Ribar bedaurte hingegen, dass sich dieses Jahr nur wenige Unternehmerinnen um den SEF.Award beworben haben.

Aus urheberrechtlichen Gründen darf die Aufzeichnung des Auftrittes nicht publiziert werden.

«Wir müssen uns auf einen harten Brexit vorbereiten»

«Wir werden die EU am 31. Oktober verlassen – entweder mit oder ohne Deal», sagte der ehemalige britische Aussenminister Rt Hon Boris Johnson am SEF19. Er würde zwar eine vernünftige und pragmatische Lösung für den Austritt Grossbritanniens aus der EU bevorzugen und strebe ein Freihandelsabkommen an, so der konservative Politiker bei seinem Auftritt in Interlaken nur Stunden nach der Rücktrittsankündigung von Premierministerin Theresa May. Trotzdem müsse man sich auf einen Hard-Brexit einstellen. «Man muss auch bereit sein, wenn nötig vom Verhandlungstisch wegzulaufen.» Eine zweite Volksabstimmung kommt für Johnson hingegen nicht in Frage. Fast alle britischen Parlamentarier hätten dafür gestimmt, das Resultat des Referendums zu respektieren und umzusetzen. Diesen Volkswillen jetzt plötzlich doch nicht zu respektieren, wäre ein schlechtes Zeichen.

Johnson sieht den Brexit auch als Chance für die Briten, sich global neu zu positionieren. Für das zukünftige Verhältnis zur EU könnte die Schweiz den Briten als Vorbild dienen. «Wir bewundern den Weg der Schweiz, Kompromisse einzugehen, sich aber nicht einnehmen zu lassen.»

Johnson gilt momentan als aussichtsreichster Nachfolger Mays und er machte im Gespräch mit Urs Gredig keinen Hehl daraus, dass er sich um das Amt des Premierministers bewerben werde. Er wollte sich am SEF aber nicht weiter dazu äussern.

Aus urheberrechtlichen Gründen darf die Aufzeichnung des Auftrittes nicht publiziert werden.

«Auch in der Politik gehört die Zukunft jenen, die Risiken eingehen»

Er sei italienischer Premierminister geworden, um sein Land zu verändern, sagte ein redsamer und schlagfertiger Matteo Renzi am SEF19. Die zahlreichen Reformen, die er aufgleiste, und die angestrebte Verfassungsreform, die ihn Ende 2016 schliesslich zum Rücktritt zwang, seien dringend nötig, so der studierte Jurist im Gespräch mit Susanne Wille. Ganz Europa brauche radikale Veränderungen, nur so könne man die populistischen Parteien bekämpfen. Renzi strich verschiedene Leistungen seiner Regierung hervor. So habe er Viktor Orbán gesagt, dass Italien seine Zahlungen stoppen würde, wenn Ungarn keine Flüchtlinge aufnehme.

Weiter zeigte sich Renzi überzeugt, dass sein Land einen grösseren Glauben an die Zukunft benötige, um zu den grossen Leadern aufzuschliessen. «Wir dürfen keine Angst haben. Die Zukunft gehört jenen, die Risiken eingehen.» Schliesslich liess der erst 44-jährige Florentiner durchblicken, dass er mit der italienischen Politik noch nicht abgeschlossen hat. «In Italien kommt jeder zurück.»

«Als Grossunternehmen müssen wir grundsätzliche Trends aufnehmen»

«Unsere Essgewohnheiten haben sich in den letzten 20 Jahren dramatisch gewandelt und sie werden sich weiterhin schnell verändern», sagte der CEO von Nestlé Mark Schneider im Gespräch mit Moderator Urs Gredig am SEF. Es gelte, sich in diesem Markt schnell anzupassen und innerhalb kurzer Zeit neue Produkte anbieten zu können. Die Leute seien wegen des Einfachen Vergleichens im Internet auch preissensibler geworden. Nestlés Erfolge mit innovativen Produkten würden ihm zeigen, dass das Grossunternehmen in dieser veränderten Marktrealität bestehen könne, so der promovierte Volkswirt. «Unser pflanzlicher Hamburger ist ganz vorne mit dabei und sogar besser von den Nährwerten als einer mit Fleisch», erklärte Schneider nicht ohne Stolz. Als grosses Unternehmen müsse Nestlé jedoch nicht jede kleinste Entwicklung unmittelbar aufnehmen, sondern längerfristig die Richtung zu erkennen. Auf den stets vorhandenen Druck der Aktionäre angesprochen, erwiderte Schneider, dass er ihnen zuhöre und basierend darauf pragmatisch eine Strategie forme, die von einer Mehrheit angenommen werde. Das sei sein Job. Schliesslich betonte der deutsch-amerikanische Doppelbüerger, dass Nestlé zur Schweiz stehe.

SEF.Niesenpreis für Luzia Dobre

Die SEF-Gründer Stefan Linder und Peter Stähli verliehen den diesjährigen SEF.Niesenpreis für junge Macherinnen live auf der SEF-Bühne an Luzia Dobre. Die gebürtige Rumänin und Gründerin des Schweizer Start-ups Komed Health will die Kommunikation in der Gesundheitsindustrie revolutionieren. Als Unternehmerin sei es für sie zentral, eine Vision zu haben und mit den richtigen Leuten zusammenzuarbeiten, so Dobre.

Mehr als 200 junge Firmen hatten sich um den SEF.Award 2019 beworben, neun davon wurden in einem mehrstufigen Jurierungsverfahren ausgewählt und durften sich am SEF als Finalisten des wichtigsten Schweizer Jungunternehmerpreises präsentieren. In der Kategorie Hightech-Biotech sind das AAAccell, Astrocast und PXL Vision.

Die Software-Lösung des 2014 gegründeten Zürcher Start-ups AAAccell bietet Anlegern dank des Einsatzes von AI und Big Data-Auswertung höhere Renditen bei tieferen Risiken. «Wir durften unser System bei einer Schweizer Grossbank testen. Sie waren begeistert», sagte Migründer und CEO Sandro Schmid am SEF.

Die Nanosatelliten von Astrocast bauen zu jedem IoT-Gerät auf der Erde innerhalb von Minuten eine sichere Verbindung auf. «Wir haben bis jetzt zwei Satelliten, noch dieses Jahr werden wir fünf weitere in Betrieb nehmen», so Laurent Vieira de Mello, Head of Strategy and Planning des 2014 Unternehmens aus Ecublens VD, in seinem Pitch.

Die Software-Plattform von PXL Vision schafft, verfiziert und verwaltet digitale Identitäten innerhalb weniger Sekunden. «Mit unserem System haben Sie eine kosteneffiziente und sichere Lösung», erklärte CEO Michael Born am SEF. Zur Zeit rüstet das 2017 gegründete Start-up aus Zürich Swiss-ID mit seiner Technologie aus. «Innerhalb von zwei Jahren sind wir zu einen Standard in der Schweiz geworden. Das macht uns stolz.»

«Den grössten Bedrohungen optimistisch begenen, bedeutet, sie zu bekämpfen»

Der theoretische Physiker Carlo Rovelli sprach in seinem Keynote-Referat über den Optimismus, der die Wissenschaft treibt. «Wissenschaftler vertrauen darauf, dass man in Zukunft etwas wird wissen können, das man jetzt noch nicht weiss», führte der Italiener, der an der Universität Aix-Marseille forscht, aus. Weiter unterstrich Rovelli am SEF19, dass die grossen Gefahren, die die Menschheit bedrohen und auf welche die Wissenschaftler seit Jahren hinweisen, absolut real sind. «Wir übertreiben nicht», so der Autor mehrerer poplulärwissenschaftlicher Bücher. Um den Klimawandel effektiv zu bekämpfen und einen drohenden Nuklearkrieg abzuwenden, müsse man alle Kräfte weltweit bündeln und zusammenarbeiten. Rovelli forderte die SEF-Teilnehmenden auf, als Führungskräfte und Wirtschaftsvertreter auch ihren Teil dazu beizutragen. «Der einzige Weg, diesen grossen Bedrohungen optimistisch zu begegnen, ist, gemeinsam Lösungen zu finden.»

«Gegenwind macht mich nur entschlossener»

«Nichts motiviert Unternehmer mehr, als wenn man ihnen sagt: Nein, das kannst du nicht», zeigte sich Keynote-Speakerin Donna Carpenter am SEF19 überzeugt. Die Amerikanerin spricht aus Erfahrung: Zusammen mit ihrem Mann Jake hat sie in den 1980er Jahren die Firma Burton Snowboards gegen zahlreiche Widerstände aufgebaut. So seien sie etwa bei Ausstellungen rausgeworfen oder von grossen Banken abgelehnt worden. Heute gehört Burton zu den weltweit führenden Snowboard-Herstellern und hat rund 1000 Mitarbeiter. «Wenn man eine Leidenschaft verfolgt und ein Ziel vor Augen hat, ist es erstaunlich, wie widerstandsfähig man ist», so Carpenter, die Burton seit 2016 als CEO führt. Auch als sie vor einigen Jahren damit begann, Frauen und Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen gezielt zu fördern, hätten sie die vielen Neins nur entschlossener gemacht. Heute seien 45 Prozent der Führungspositionen bei Burton mit Frauen besetzt. «Es gibt genügend qualifizierte Frauen.» Nur müsse sich das HR die Mühe machen, diese aktiv zu suchen. Auf Kaderstellen würden sich nämlich immer noch fast ausschliesslich Männer bewerben.

«Unsere Politik ist bis heute, völlig offen zu sein»

«Optimismus genügt nicht, es braucht auch Konstruktivismus, um die Welt von morgen mitzugestalten», sagte Professor Klaus Schwab bei seinem Auftritt am SEF. Dass sich das von ihm 1971 gegründete World Economic Forum zum wichtigsten globalen Multi-Stakeholder-Forum entwickelt habe, sei eine Konsequenz der Grundidee der Plattform. Seine bereits im Jahr der WEF-Gründung in einem Buch publizierte Überzeugung, dass ein Unternehmen für den langfristigen Erfolg nicht nur den Aktionären, sondern allen Betroffenen dienen müsse, habe über die Jahre breite Anerkennung gefunden, so der 81-jährige Deutsche. Man müsse deshalb alle Vertreter an einen Tisch bringen. «Unsere Politik am WEF ist bis heute, völlig offen zu sein. Das hat uns auch Kritik eingebracht.» Schwab räumte ein, dass ihm einige WEF-Gäste wirklich unsympathisch waren. Namen wollte er jedoch auch auf Nachhaken von Moderatorin Susanne Wille keine nennen. «Schliesslich soll die Plattform auch noch während der nächsten 50 Jahren funktionieren.»

Obwohl das WEF heute Ableger an verschiedenen Orten auf der Welt habe, bleibe die Schweiz der Mittelpunkt der Plattform, versicherte Schwab, der einst an der ETH Zürich promovierte. «Wir betrachten uns als eine schweizerische Organisation. Wir repräsentieren das, was die Schweiz ausmacht: nämlich eine aktive und produktiv eingesetzte Neutralität.»

Für seine Verdienste für die Schweiz und die Welt wurde Professor Klaus Schwab am SEF19 der Lifetime Achievement Award des Swiss Economic Forum verliehen.

Erste Pitches: Ethical Businesses für SEF.Award nominiert

Live am SEF werden wiederum die vielversprechendsten Schweizer Jungunternehmen in den drei Kategorien mit dem SEF.Award ausgezeichnet. Vor der mit Spannung erwarteten Preisverleihung am zweiten SEF-Tag, erhielten alle Finalisten die Gelegenheit, ihre Unternehmen auf der Hauptbühne zu präsentieren. Den Anfang machten die drei Kandidaten in der Kategorie Produktion/Gewerbe.

Das Thuner Start-up New Roots bietet seit 2015 Käse aus Cashewnüssen als ethischere und zukunftsträchtige Alternative zum Schweizer Traditionsprodukt tierischen Ursprungs an. «Unsere Kunden schätzen, dass sie nicht nur ein Produkt, sondern auch eine Philosophie konsumieren», so Migründerin Alice Fauconnet in ihrem Pitch.

Die 2016 in Lenzburg AG gegründete Firma Nikin verkauft nachhaltig produzierte Mode zu erschwinglichen Preisen und pflanzt für jeden verkauften Artikel einen Baum. «Wir nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung ernst», sagte CEO Nicholas Hänny am SEF. «Auch finanziell sind wir nachhaltig unterwegs und fast seit dem ersten Tag profitabel.»

Frische Shrimps aus der Schweiz? Was visionär klingt, hat SwissShrimp umgesetzt. Das Jungunternehmen rund um CEO Rafael Waber züchtet seit 2013 in Rheinfelden AG antibiotikafreie Shrimps. «Wenn sie heute bestellen, ernten wir morgen, und übermorgen haben sie Ihre frische Shrimps auf Ihrem Teller», versprach CEO Rafael Waber den SEF-Teilnehmenden.

«Ein wahrer Optimist macht aus jeder Situation das Beste»

Glück und Optimismus würden keines Falls darauf basieren, dass man keine negativen Gefühle habe, sagte Tal Ben-Shahar in seinem Wake-up-Keynote am SEF. Im Gegenteil: «Wenn wir etwas verdrängen, wird das Gefühl nur stärker. Wir müssen schmerzhafte Emotionen akzeptieren, nur so können wir sie verarbeiten und dann gehen lassen.» Zentral sei es, Krisen anzunehmen und daraus zu lernen, so der an der Harvard University promovierte Verhaltenspsychologe. Denn diese Schwierigkeiten würden uns schliesslich stärker machen. «Es passiert nicht immer nur das Beste, aber wir können uns dafür entscheiden, das Beste daraus zu machen.» Das sei der wahre Optimisten-Code. «An unserer Einstellung können und sollten wir arbeiten.» Ferner müsse sich regelmässig vom Stress erholen, wer optimistisch und glücklich sein wolle, so der Autor, Dozent und Berater. Hierfür benötige man Auszeiten auf dem Mikro-, Mezzo- und Makro-Level. Sowohl kurze Kaffeepausen bei der Arbeit und genügend Schlaf als auch längere Ferien seien wichtig. «Sogar Gott benötigte einen freien Tag.»

Auch darauf vorbereitet sein, womit man nicht rechnet

«Ich bin Wissenschaftlerin und wollte immer schon Unternehmerin werden», sagte Prof. Dr. Andrea Pfeifer im SEF.KMU-Talk mit Moderator Urs Gredig. Ihre Motivation dazu sei der Drang zu helfen, so die CEO und Mitgründerin von AC Immune mit Sitz in Lausanne. In ihrer Branche müsse man zwingend optimistisch sein, aber vor allem eine Vision haben. Pfeifers erklärtes Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer zu heilen. Vor einigen Monaten musste die promovierte Pharmazeutin und Toxikologin auf dem Weg dazu einen herben Rückschlag einstecken: Zwei bereits weit fortgeschrittene Studien mit Wirkstoffen mussten gestoppt werden und die Aktie von AC Immune verlor drastisch an Wert. «Wir waren auf diesen Fall vorbereitet, auch wenn wir ihn nicht haben kommen sehen», erklärte die gebürtige Deutsche. «Dank genügend Bar-Reserven sei das Unternehmen nun nicht in Schwierigkeiten.» Ihr sei es wichtig gewesen, von Anfang an eine Langzeitstrategie zu haben. Allerdings würde sie im Rückblick früher amerikanische Investoren in die Firma holen, da die amerikanische Gesundheitsindustrie über sehr viel Geld verfüge.

Aus urheberrechtlichen Gründen darf die Aufzeichnung des Auftrittes nicht publiziert werden.

«Zurückgehen ist nie eine Alternative»

Bereits seit Jahrtausenden hätten die Leute das Gefühl, dass früher alles besser war, sagte Johan Norberg in seinem Keynote-Referat. Die Daten und die Wissenschaft würden jedoch belegen, dass der Fortschritt real ist. «Innerhalb von 100 Jahren ist die Lebenserwartung von 30 auf 70 Jahre gestiegen, jeden Tag entkommen 100’000 Menschen der extremen Armut», führte der schwedische Autor und Dokumentarfilmer aus. Da wir jedoch täglich in den News mit negativen Meldungen überschwemmt werden, hätten wir den Eindruck, alles werde schlimmer. Bedrohlich scheinende Disruptionen habe es aber schon immer gegeben. Alle hätten wir gemeistert, bei den aktuellen Herausforderungen würden wir die Lösung noch nicht kennen. «Es ist nie eine Alternative zurückzugehen, wir müssen die neuen Technologien nutzen», betonte Norberg. Der 45-Jährige plädierte am SEF19 dafür, die grössten Herausforderungen unserer Zeit wie den Klimawandel mit einer optimistischeren Einstellung anzugehen. Gleichzeitig gelte es aber auf der Hut zu sein: Gerade ein reiches Land wie die Schweiz dürfe sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen.

«Regierungen stehen in der Verantwortung und müssen vorausdenken»

Howard Yu, LEGO Professor of Management and Innovation an der IMD Business School in Lausanne, zeigte am SEF, wie chinesische Firmen mit innovativen Herangehensweisen die Produkte etablierter westlicher Marken herausfordern. So biete Haider in den USA etwa einen Kühlschrank an, der nicht nur günstig ist, sondern Studenten dank Holzabdeckung gleichzeitig als platzsparenden Schreibtisch dient.

«In einer unsicheren Welt, muss sich ein Unternehmen alle Optionen offenhalten», so der aus Hong Kong stammende Yu, der in Harvard promovierte. Es sei zentral, flexibel und agil zu sein und zum Beispiel auch Kunden bei der Entwicklung von neuen Anwendungen mitarbeiten zu lassen.

Ferner erklärte Yu, dass Regierungen in Zeiten von Artificial Intelligence in der Verantwortung stünden, vorauszudenken und die Leute proaktiv umzubilden, um sie wieder fit für einen veränderten Arbeitsmarkt zu machen.

«Die Voraussetzungen bei der zweiten Gründung waren viel besser»

Das Ausnahme-Unternehmer-Ehepaar Clozel erzählte am SEF19, was sie dazu motiviert hat, 2017 nach dem äusserst erfolgreichen Verkauf seines Pharmaunternehmens Actelion gleich eine neue Firma zu gründen. «Aufhören war für uns nie eine Option», sagte Martine Clozel im Gespräch mit Susanne Wille. Als sie 1997 mit dem Aufbau ihres ersten Unternehmens begonnen hätten, wäre ihr grosses Streben und der Glaube an den Erfolg ihre einzigen Assets gewesen, so die studierte Ärztin. «Bei der Gründung von Idorsia hatten wir von Anfang an 700 Mitarbeiter, elf Medikamente und eine Milliarde Cash zur Verfügung», ergänzte ihr Mann Jean-Paul, ausgebildeter Kardiologe. «Die Voraussetzungen waren also viel besser.» Sie würden zudem von der Motivation getrieben, gute Medikamente zu entwickeln, die vielen Menschen helfen könnten. Ein Schlafmedikament befinde sich momentan in der dritten Testphase und komme voraussichtlich nächstes Jahr auf den Markt, verriet Martine. Dieses soll den Leuten mit Hilfe einer Molekül-Technologie ermöglichen, gut einzuschlafen und zum richtigen Zeitpunkt wieder ausgeruht aufzuwachen.

«Trump ist nicht das Problem, er ist nur das Symptom»
Ian Bremmer erörterte in seinem Keynote-Referat, warum wir uns in einer geopolitischen Rezension befinden. «Immer mehr Leute in den reichen, demokratischen Ländern sind überzeugt, dass sie von ihren Regierungen nicht mehr gut vertreten werden», erklärte der Gründer und CEO der Eurasia Group am SEF19. Die Menschen würden sich zunehmend als Verlierer fühlen und den Politikern, aber auch Wirtschaftsführern, traditionellen Medien und Intellektuellen, ja der gesamten Elite die Schuld dafür geben, so der 49-jährige Amerikaner. Das führe dazu, dass die Leute Politiker wählen würden, für die sie normalerweise nicht stimmen würden. «Trump ist nicht das Problem, er ist nur das Symptom dieser Entwicklung», betonte der renommierte Experte für politische Risiken. Social Media würden den Extremismus weiter verschärfen, weil die Menschen stets nur noch Meldungen von Leuten zu lesen bekämen, mit denen sie bereits einer Meinung seien. Bezeichnenderweise gebe es all diese Probleme in Japan, einem Land ohne nennenswerte Immigration und mit wenig Social Media-Aktivität kaum.

«Das Netzwerk ist auch in der Politik zentral»
In seiner Eröffnungsrede am SEF19 zeigte sich Bundespräsident Ueli Maurer überzeugt, dass es für die Schweiz in einer von zunehmendem Protektionismus und geopolitischen Verschiebungen der Wirtschaftsmächte geprägten Welt wichtiger denn je sei, zu allen Seiten gute Beziehungen zu pflegen. «Wir als kleines Land müssen versuchen, uns zwischen den Blöcken möglichst unabhängig zu bewegen.» Denn Abschottung sei für eine kleine Volkswirtschaft reines Gift, so der Eidgenössische Finanzminister. Es gelte persönliches Vertrauen zu den verschiedenen Regierungen aufzubauen, weil auch in der Politik das Netzwerk zentral sei. Nicht habe die Schweiz in der Welt immer noch eine wichtige Vermittlerrolle inne. «Wir sind glaubwürdig, da wir keine eigene Agenda verfolgen.»

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SEF.Award Finalisten | Dienstleistung

SEF.NextGen

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SEF.Award Preisverleihung

Rt Hon Boris Johnson

Politiker und ehemaliger britischer Aussenminister

Matteo Renzi

Ehemaliger italienischer Premierminister

Mark Schneider

CEO

Niesenbergpreis 2019

SEF.Award Finalisten | Hightech/Biotech

Carlo Rovelli

Theoretischer Physiker

Donna Carpenter

Co-CEO und Co-Eigentümerin

Professor Klaus Schwab

Gründer und geschäftsführender Präsident

SEF.Award Finalisten | Gewerbe/Produktion

Tal Ben-Shahar

Autor, Redner und Unternehmer

Prof. Dr. Andrea Pfeifer

Chief Executive Officer

Johan Norberg

Autor, Redner und Dokumentarfilmer

Howard Yu

LEGO Professor of Management and Innovation

Martine & Jean-Paul Clozel

Chief Scientific Officer & Chief Executive Officer

Ian Bremmer

Präsident und Gründer

Ueli Maurer

Bundespräsident und Vorsteher