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Gleichgewicht von Agilität und Stabilität

Der damalige Bundespräsident Johann Schneider-Ammann plädierte im Eröffnungsreferat am SEF 2016 für ein gesundes Verhältnis von Agilität auf der einen und Stabilität und Kontinuität auf der anderen Seite. «Die Schweizer Wirtschaft muss ständig auf dem Sprung sein und Entwicklungen antizipieren können», so der an der ETH ausgebildete Elektroingenieur. «Gleichzeitig dürfen wir manche Grundpfeiler unseres Systems nicht leichtfertig niederreissen.» Zudem erinnerte der 64-Jährige an das Schweizer Erfolgs-Dreieck bestehend aus (dualer) Bildung, liberalen Rahmenbedingungen für den Arbeitsmarkt und einer intakten Sozialpartnerschaft, für welche sich der FDP-Politiker weiterhin mit Nachdruck einsetzen will.

«We need American leadership»

In seiner Keynote-Speech am SEF gab der ehemalige dänische Ministerpräsident und Ex-NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen einen Überblick über die weltpolitischen Entwicklungen und Machtverschiebungen. «Die USA werden noch jahrzehntelang die global stärkste Macht bleiben», so der 63-Jährige. Und dies sei auch nötig, damit Stabilität und Ordnung aufrechterhalten werden könnten. Daneben werde China immer mehr aufsteigen, aber friedlich und als Verbündete der USA, denn China könne sich gut anpassen und brauche die wirtschaftlichen Beziehungen, führte der studierte Ökonom aus. Probleme hingegen bereiteten Russland, das nicht fähig und bereit sei, sich aus der politischen Isolation zu befreien, und der Nahe Osten, welcher die Frauen aus der Gesellschaft ausschliesse und dringend ökonomische Reformen benötige.

Kinder müssen lernen zu programmieren

«Seit zehn Jahren wächst die Schweizer Wirtschaft deutlich stärker als jene der OECD-Länder im Durchschnitt», betonte Philipp Hildebrand in seinem Referat am SEF. «Die Schweiz ist auf extrem gutem Weg. Wir müssen aber sehen, dass es so weitergeht.» Die zunehmende Kritik an der Globalisierung und der unter konstantem Aufwertungsdruck stehende Schweizer Franken stellen gemäss dem Vice Chairman des weltweit grössten, amerikanischen Vermögensverwalters BlackRock und ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank die grössten Bedrohungen für den Erfolg der Schweiz dar. Mit Geldpolitik könnten diese Probleme aber nur kurzfristig abgeschwächt werden, langfristig brauche es mehr und gezielte Investitionen sowie eine den neuen Anforderungen angepasste Bildung – so zum Beispiel Programmationsunterricht schon in der Volksschule.

«In extreme situations we need creative approaches»

Kapitän Richard Phillips Containerschiff wurde im April 2009 vor der Küste Somalias von vier Piraten gekapert. Um seine unbewaffnete Crew zu schützen, ergab sich der damals 54-jährige Amerikaner und wurde von den Piraten auf einem Rettungsbott verschleppt, bis er nach vier Tagen von den Navy Seals befreit wurde. Eindrücklich schilderte der Amerikaner, der seine Erlebnisse auch in einem Buch verarbeitete und bereits ein Jahr nach der Entführung wieder zur See fuhr, wie er diese Extremsituation überstehen konnte, und gab den SEF-Teilnehmenden weiter, was er daraus gelernt hat. «Wir sind stärker als wir denken und es ist erst vorbei, wenn wir aufgeben.»

«Create a listening culture in your company»

Im ersten Referat des zweiten SEF-Tages zeigte Sound- und Kommunikationsexperte Julian Treasure die Macht von Geräuschen und Tönen und die Bedeutung des Zuhörens – gerade im Geschäftsleben – auf. Der Inhaber von «The Sound Agency» demonstrierte, wie Musik und Lärm unterschiedlich auf unseren Körper wirken und unser Verhalten, unsere Emotionen und unsere kognitiven Fähigkeiten beeinflussen. Weiter unterstrich der Brite und fünffache TED-Speaker, wie entscheidend eine Kultur des Zuhörens heute zum Erfolg eines Unternehmes beiträgt. «Wenn Sie mit Ihren Kunden nicht in einem ständigen Dialog stehen und ihnen nicht zuhören, können Sie Ihre Leistung nicht verbessern», fügte er als Beispiel an.

«We have to be good to the world that has been so good to us»

«Die heutige Wirtschaft schafft immer grössere Einkommensunterschiede und zunehmend werden ganze Bevölkerungsschichten aus dem System ausgeschlossen», erklärte Angus Deaton in seinem Keynote-Referat am SEF. Der Wirtschaftsnobelpreisträger 2015 und Ökonomieprofessor an der Universität Princeton warnte, dass diese Entwicklung hin zu immer mehr Ungleichheit, wenn man sie nicht stoppe, gefährliche Folgen haben werde – nicht nur für die unteren Schichten. Denn die Ausgeschlossenen würden sich erheben und das politische und wirtschaftliche System damit aus dem Gleichgewicht bringen. «Es ist deshalb die Pflicht von uns allen, alle Leute mit einzubinden und niemanden zurückzulassen», so der 70-jährige britisch-amerikanische Doppelbürger.

Aus urheberrechtlichen Gründen darf die Aufzeichnung des Auftrittes nicht publiziert werden.

«Wir müssen langfristiger denken, um die Balance zu halten»

«Wir befinden uns an einem einzigartigen, schwierigen und entscheidenden Punkt in der Geschichte der Menschheit», sagte Dambisa Moyo in ihrem Referat am SEF. «Nie ist die Weltbevölkerung so rasend schnell gewachsen wie heute.» Die daraus resultierende Ressourcenknappheit würde die Vermehrung des Wohlstands bedrohen, so die in Sambia geborene und aufgewachsene Ökonomin, die mit Stipendien unter anderem in Harvard und Oxford studierte. Eine weitere grosse Herausforderung stellten die neuen Technologien dar, die einen grossen Teil der Arbeitnehmer aus ihrem Job verdrängen werden, erklärte die 47-Jährige. «Um ein gesundes Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten, müssen wir sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft langfristiger handeln und gezielter investieren.»

Aus urheberrechtlichen Gründen darf die Aufzeichnung des Auftrittes nicht publiziert werden.

«We need corporation and coordination across the borders»

Wenn sich die europäischen Länder auf Erfindungen, Innovation und die Ausbildung der richtigen Fachkräfte konzentrieren, werden sie in der Weltwirtschaft weiterhin erfolgreich bestehen können, zeigte sich der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown im Abschlussreferat am SEF.2016 überzeugt. Zentral sei zudem die überstaatliche Zusammenarbeit. «In unsererglobalisierten Welt müssen wir Probleme gemeinsam lösen», sagte der 65-jährige Labour-Politiker auch im Hinblick auf die in Grossbritannien anstehende Abstimmung über den Austritt aus der EU. Durch ein Ausscheidenaus der EU würde das Vereinigte Königreich verlieren. Allerdings sieht der in Glasgow geborene promovierte Historiker die EU als zukünftig flexibleres, weniger zentralistisches Gebilde, in welches sich die verschiedenen Staaten unterschiedlich stark einbinden lassen können.

SEF.Schweiz | Wirtschaftsplatz Schweiz

Unter der Leitung von Susanne Wille diskutierten Nationalratspräsidentin Christa Markwalder, Philipp Hildebrand und Martin Hirzel, CEO des Automobilzulieferers Autoneum über den Wirtschaftsstandort Schweiz. Ein grosses Problem stellt für die Schweizer Wirtschaft nach wie vor die ungewisse Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative dar. Hirzel betonte, dass seine Firma und seine Branche darauf angewiesen seien, die weltweit besten Experten in die Schweiz holen zu können, damit sie konkurrenzfähig bleiben. Markwalder pflichtete ihm bei, dass der freie Personenverkehr verteidigt werden müsse, wies aber auch darauf hin, dass das inländische Fachkräftepotential – insbesondere was die Frauen betreffe – noch lange nicht augeschöpft sei. Hildebrand unterstrich noch einmal, wie wichtig es für die Stabilität der Schweizer Wirtschaft sei, dass Unternehmen in der Schweiz investieren.

SEF.Schweiz | Wirtschaftsplatz Schweiz

Unter der Leitung von Susanne Wille diskutierten Nationalratspräsidentin Christa Markwalder, Philipp Hildebrand und Martin Hirzel, CEO des Automobilzulieferers Autoneum über den Wirtschaftsstandort Schweiz. Ein grosses Problem stellt für die Schweizer Wirtschaft nach wie vor die ungewisse Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative dar. Hirzel betonte, dass seine Firma und seine Branche darauf angewiesen seien, die weltweit besten Experten in die Schweiz holen zu können, damit sie konkurrenzfähig bleiben. Markwalder pflichtete ihm bei, dass der freie Personenverkehr verteidigt werden müsse, wies aber auch darauf hin, dass das inländische Fachkräftepotential – insbesondere was die Frauen betreffe – noch lange nicht augeschöpft sei. Hildebrand unterstrich noch einmal, wie wichtig es für die Stabilität der Schweizer Wirtschaft sei, dass Unternehmen in der Schweiz investieren.

Johann N. Schneider-Ammann

Bundesrat, Vorsteher WBF

Anders Fogh Rasmussen

Ehemaliger dänischer Ministerpräsident & NATO-Generalsekretär

Philipp Hildebrand

Vice Chairman von BlackRock

Richard Phillips

Kapitän der Handelsmarine & Autor

Julian Treasure

Meister von Agilität & Sound

Angus Deaton

Wirtschafts-Nobelpreisgewinner 2015

Dambisa Moyo

Renommierte Wirtschaftswissenschaftlerin & Autorin

SEF.Award 2016 Remise des prix

Gordon Brown

Ehemaliger britischer Premierminister und Sonderbeauftragter der UNO

Christa Markwalder

Nationalratspräsidentin 2015/2016

Martin Hirzel

CEO und Mitglied der Konzernleitung von Autoneum