frende
Close
Close

«Wir brauchen verlässliche Verbündete und Marktzugang»

Wegen der aktuellen weltpolitischen Umwälzungen und des globalen Trends zum Protektionismus sei die Schweiz als kleines Land mehr denn je auf verlässliche Verbündete und sicheren Zugang zu Märkten angewiesen, machte Bundespräsidentin Doris Leuthard in ihrem Eröffnungsreferat am SEF 2017 deutlich. Die ausgebildete Rechtsanwältin verteidigte deshalb die von verschiedenen Seiten kritisierten Bemühungen des Bundesrats, enger mit China zusammenzuarbeiten. «China setzt sich heute für weltweit offene Märkte ein und macht in Sachen Menschenrechte grosse Fortschritte.» Ausserdem sei die Schweizer Regierung daran, die Beziehungen mit Argentinien, Brasilien, Indien und Indonesien zu vertiefen. Weiter betonte Leuthard, dass die Schweiz ein starkes Europa als Partner brauche. Bei den Verhandlungen könne die Schweiz durchaus mit mehr Selbstbewusstsein auftreten, weil wir angefangen mit Stabilität und Sicherheit sehr viel zu bieten hätten.

«Wir müssen unbedingt neue Wege der Arbeitsverteilung finden»

«Wir leben in einer sehr schwierigen und gefährlichen Zeit», erklärte der erst vor wenigen Tagen mit dem renommierten Karlspreis zu Aachen ausgezeichnete Timothy Garton Ash. «Grosse globale Machtverschiebungen, wie sie momentan im Gange sind, gehen oft mit Kriegen einher», führte der britische Historiker in seinem Keynote-Referat am SEF aus. Ausserdem würden weltweit antiliberale Konterrevolutionen Demokratie und Freiheit bedrohen. Populistische Politiker würden den Leuten weiss machen, dass Ausländer ihnen die Jobs wegnehmen, und hätten damit Erfolg. «Aber in Wahrheit ist es die Digitalisierung, die viele Jobs schlicht obsolet macht», so der 61-jährige Professor an den Universitäten in Oxford und Stanford. Neue Wege der Arbeitsverteilung zu finden, so dass die breite Bevölkerung am Wohlstand teilhaben kann, sei für den Erhalt einer friedlichen, stabilen Weltordnung deshalb absolut zentral. Zudem sei es wichtiger denn je, gemeinsan an globalen Lösungen zu arbeiten, unterstrich der Experte für die europäische Geschichte nach 1945.

Unternehmer aus sozialer Verantwortung

Yvon Chouinard wollte nie Geschäftsmann werden, findet Kleider kaufen in den meisten Fällen überflüssig – und ist dennoch Inhaber der Outdoor-Bekleidungsfirma Patagonia mit einem jährlichen Umsatz von über 750 Millionen Dollar. «Ich hatte halt Ideen und es zeigte sich, dass diese Ideen gut waren», erklärte der eigenwillige 78-Jährige im Gespräch mit Susanne Wille am SEF. Der passionierte Kletterer, Surfer und Naturfreund setzte beim 1973 von ihm gegründeten Unternehmen von Anfang an auf soziale und ökologische Verantwortung. Seit 2011 kann man seine Patagonia-Kleider ausserdem zum Flicken ins Geschäft zurückbringen und nicht mehr Gebrauchtes zurückkaufen lassen – was sich auch marketingtechnisch als sehr clever erwies. Einen positiven Beitrag in einer sich negativ entwickelnden Welt zu leisten, sei denn auch der Grund, dass er überhaupt noch im Geschäft sei, so der in Kalifornien aufgewachsene Chouinard – und fügte hinzu, dass er auch heute eigentlich lieber auf dem Eiger als am SEF wäre.

«Welche Funktion erfüllt Ihr Produkt für die Menschen?»

Clayton Christensen legte in seinem Keynote-Referat am SEF basierend auf den Ergebnissen seiner langjährigen Forschung dar, wie Unternehmen und ihre Produkte langfristig erfolgreich sein können. «Ihre Innovationen müssen darauf fokussieren, Ihre Produkte für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich und zugänglich zu machen.» Dies führe zu dauerhaftem Wachstum des Absatzmarktes, so der Professor an der Harvard Business School und Unternehmer. Viele Firmen würden den Fehler machen, mit Innovationen primär ihr Kapital vergrössern zu wollen. Es gelte ausserdem zu erkennen, bei welchen Tätigkeiten und Aufgaben ein bestimmtes Produkt für die Menschen eine zentrale Funktion erfüllen könne – und dies besser tue als jedes andere Produkt. Als Beispiel nannte der 65-jährige Amerikaner die Milkshakes von McDonalds, welche die Leute auf langen Autofahrten trinken würden, weil die Milkshakes mit einer Hand und über längere Zeit konsumiert werden können und langanhaltend sättigen.

SEF.Strategie

Wie können Unternehmen in der herausfordernden Zukunft bestehen? Peter Voser, Verwaltungsratspräsident der ABB-Gruppe, plädierte dafür, langfristige Strategien auch in unruhigen Zeiten nicht ständig zu ändern. «Die heute herrschende Transparenz und die Geschwindigkeit verlangen von den Verwaltungsräten mehr Flexibilität», so Hansueli Loosli, Verwaltungsratspräsident von Coop und Swisscom. Monique Bourquin unterstrich, dass Erfahrung und zu viel Kontinuität auch schädlich sein können. «Wir müssen lernen zu erkennen, wenn etwas falsch war und den Kurs dann auch ändern», sagte die Verwaltungsrätin von Emmi, Kambly und Straumann. Marie-Noëlle Zen-Ruffinen, Verwaltungsrätin der Bâloise Group, pflichtete Bourquin bei: «Wir müssen Scheitern einsehen und akzeptieren können.»

Kreativität und Einfühlungsvermögen sind immer noch gefragt

Auch Keynote-Referent Erik Brynjolfsson betonte, dass wegen der Digitalisierung und insbesondere der immer besseren Lernfähigkeit und Autonomie von Computern global unzählige Arbeitsplätze verschwinden. Der Professor für Betriebsökonomie an der MIT Sloan School of Management und Direktor der MIT-Initiative zur digitalen Wirtschaft zeigte sich allerdings überzeugt, dass nach wie vor ein grosser Bedarf an menschlichen Arbeitskräften besteht – einfach in anderen Bereichen. Vor allem in der Bildung, in der Wissenschaft, im Gesundheitswesen und in anderen sozialen Berufen seien die genuin menschlichen Fähigkeiten Kreativität und Einfühlungsvermögen gefragt. «Wir müssen uns dringend Gedanken machen, wie wir in diesen Bereichen neue Arbeitsplätze schaffen und die Menschen dort unterbringen können;, forderte der in Dänemark geborene Amerikaner die Schweizer Entscheidungsträger am SEF auf. Ansonsten drohe die Gefahr, dass die Gesellschaft auseinanderfalle.

«Bauen Sie sich ein Netzwerk mit Digital Natives auf»

Karl-Erivan W. Haub hat als Miteigentümer und Konzernchef der Tengelmann-Gruppe schon früh in E-Commerce-Startups wie Zalando investiert. Am SEF erklärte der 57-jährige Deutsche, dass dieser Zugang nun auch dem Kerngeschäft seines Unternehmens zugute komme, das auch immer digitaler werde. Haub ist überzeugt, dass gestandene Firmen in den digitalen Markt einsteigen müssen, aber ihr altes Geschäft trotzdem nicht vernachlässigen oder gar aufgegeben dürften. «Bauen Sie sich ein Netzwerk zu ganz anderen Leuten auf, damit Sie sich auf die neuen Technologien einlassen können», riet der Keynote-Referent den Konferenzteilnehmern. «Alle, die sie schon lange kennen, werden ihnen da nicht helfen können.»

Der Mensch als Begleiter selbständiger technologischer Entwicklungen

«Die künstliche Intelligenz ermögliche es uns heute, Dinge zu erfinden, die wir gar nicht verstehen können», erklärte Yuri van Geest. Der Mensch und Firmen müssten daher immer mehr zu Begleitern und Pflegern neuer Entwicklungen, die sich weitgehend selber konstituieren, werden – so ähnlich wie Eltern ihre Kinder grossziehen – und nicht mehr selber programmieren. Der niederländische Futurologe zeigte sich zudem überzeugt, dass es möglichst bald ein bedingungsloses Grundeinkommen brauche, um die wegen der neuen Technologien arbeitslos gewordenen Menschen zu entschädigen und so Populismus und sozialen Unruhen entgegenzuwirken.

Einschätzungen zur Weltpolitik

Im Schlussreferat am SEF.2017 legte der ehemalige israelische Ministerpräsident Ehud Barak seine Sicht der weltpolitischen Situation dar. Der 75-Jährige identifizierte den Terrorismus eindeutig als die grösste Bedrohung unserer Zeit und betonte, dass wir noch lange werden damit leben müssen. Um den Terror effektiv bekämpfen und schliesslich besiegen zu können, brauche es Entschlossenheit und vor allem die internationale Zusammenarbeit von Geheimdiensten und Regierungen. Überhaupt seien alle grossen Herausforderungen unserer Zeit globaler Natur und könnten auch nur mit globalen Ansätzen gelöst werden. Dies werde über kurz oder lang dazu führen, dass der Antiglobalisierungstrend ganz von selbst gestoppt und die Welt wieder mehr zusammenwachsen würde, zeigte sich Barak überzeugt.

Ziviler Ungehorsam und Emotionen

Der Aargauer Unternehmer Lionel Schlessinger ist ein wahrer Wilder – und damit sehr erfolgreich. Weil der Inhaber und CEO des Farben- und Lackherstellers Monopol AG in der Schweiz einen Regulierungswahnsinn feststellt, leistet er zivilen Ungehorsam und hält sich sehr oft nicht an die Gesetze, wie er im Gespräch mit Susanne Wille am SEF freimütig zugab. 2009 hat der studierte Betriebsökonom mit einem Businessplan auf einem A4-Blatt in Mumbai in Indien eine Farbenfabrik eröffnet und beschäftigt dort heute 100 Mitarbeiter. Indien sei ein schwieriger Markt, erklärte Schlessinger am SEF. «Aber es hat menschlich einfach gepasst.» Überhaupt müssten wir unsere Emotionen im Geschäftsleben vermehrt und besser einsetzen, zeigte sich Schlessinger überzeugt. Den Markt zu verstehen versuchen und den Bedürfnissen der Kunden nachzukommen, gehöre weiter zu seinem Erfolgsrezept. Daher hat Schlessinger seit 2015 auch einen Produktionsstandort in Nairobi in Kenia – denn die Zukunft liege in Afrika.

Weihnachten trotz Auseinandersetzungen gemeinsam feiern

Als 26-jährige HSG-Absolventin ist Caroline Forster ins Management des 1904 gegründeten St. Galler Familienunternehmens eingestiegen und führt die Forster Rohner-Gruppe heute als Co-CEO zusammen mit ihrem Bruder in vierter Generation. «Auch die älteren Angestellten haben mich als junge Frau als Chefin von Anfang an akzeptiert, das war nie ein Problem», sagte sie am SEF auf Moderator Urs Gredigs Nachfrage. Als Frau habe sie aber einen partizipativeren Führungsstil als ihre Geschäftsleitungskollegen und sie sei wohl auch etwas leiser. Forster gab freimütig zu, dass es mit ihrem Bruder geschäftliche Auseinandersetzungen gebe. «Wichtig ist einfach, dass wir jedes Jahr noch gemeinsam Weihnachten feiern können.» Weiter erklärte Forster, dass die Gründung einer Kinderkrippe vor vier Jahren durchaus politisch motiviert gewesen sei – denn das Potential gut ausgebildeter Frauen sollte ihrer Meinung nach besser genutzt werden.

SEF.Strategie

Wie können Unternehmen in der herausfordernden Zukunft bestehen? Peter Voser, Verwaltungsratspräsident der ABB-Gruppe, plädierte dafür, langfristige Strategien auch in unruhigen Zeiten nicht ständig zu ändern. «Die heute herrschende Transparenz und die Geschwindigkeit verlangen von den Verwaltungsräten mehr Flexibilität», so Hansueli Loosli, Verwaltungsratspräsident von Coop und Swisscom. Monique Bourquin unterstrich, dass Erfahrung und zu viel Kontinuität auch schädlich sein können. «Wir müssen lernen zu erkennen, wenn etwas falsch war und den Kurs dann auch ändern», sagte die Verwaltungsrätin von Emmi, Kambly und Straumann. Marie-Noëlle Zen-Ruffinen, Verwaltungsrätin der Bâloise Group, pflichtete Bourquin bei: «Wir müssen Scheitern einsehen und akzeptieren können.»

SEF.Schweiz

Unter der Leitung von Susanne Wille diskutierten der stellvertretende SECO-Direktor Eric Scheidegger, Gewerkschafter und SP-Nationalrat Corrado Pardini, FDP-Nationalrat und Digitec-Gründer Marcel Dobler sowie der Autor und Publizist Beat Kappeler unter dem Motto «SEF.Schweiz» über den Wirtschaftsplatz Schweiz. Im Zentrum des Gesprächs stand – wie so oft – das Thema Regulierungen.

SEF.Schweiz

Unter der Leitung von Susanne Wille diskutierten der stellvertretende SECO-Direktor Eric Scheidegger, Gewerkschafter und SP-Nationalrat Corrado Pardini, FDP-Nationalrat und Digitec-Gründer Marcel Dobler sowie der Autor und Publizist Beat Kappeler unter dem Motto «SEF.Schweiz» über den Wirtschaftsplatz Schweiz. Im Zentrum des Gesprächs stand – wie so oft – das Thema Regulierungen.

SEF.Schweiz

Unter der Leitung von Susanne Wille diskutierten der stellvertretende SECO-Direktor Eric Scheidegger, Gewerkschafter und SP-Nationalrat Corrado Pardini, FDP-Nationalrat und Digitec-Gründer Marcel Dobler sowie der Autor und Publizist Beat Kappeler unter dem Motto «SEF.Schweiz» über den Wirtschaftsplatz Schweiz. Im Zentrum des Gesprächs stand – wie so oft – das Thema Regulierungen.

SEF.Schweiz

Unter der Leitung von Susanne Wille diskutierten der stellvertretende SECO-Direktor Eric Scheidegger, Gewerkschafter und SP-Nationalrat Corrado Pardini, FDP-Nationalrat und Digitec-Gründer Marcel Dobler sowie der Autor und Publizist Beat Kappeler unter dem Motto «SEF.Schweiz» über den Wirtschaftsplatz Schweiz. Im Zentrum des Gesprächs stand – wie so oft – das Thema Regulierungen.

SEF.Strategie

Wie können Unternehmen in der herausfordernden Zukunft bestehen? Peter Voser, Verwaltungsratspräsident der ABB-Gruppe, plädierte dafür, langfristige Strategien auch in unruhigen Zeiten nicht ständig zu ändern. «Die heute herrschende Transparenz und die Geschwindigkeit verlangen von den Verwaltungsräten mehr Flexibilität», so Hansueli Loosli, Verwaltungsratspräsident von Coop und Swisscom. Monique Bourquin unterstrich, dass Erfahrung und zu viel Kontinuität auch schädlich sein können. «Wir müssen lernen zu erkennen, wenn etwas falsch war und den Kurs dann auch ändern», sagte die Verwaltungsrätin von Emmi, Kambly und Straumann. Marie-Noëlle Zen-Ruffinen, Verwaltungsrätin der Bâloise Group, pflichtete Bourquin bei: «Wir müssen Scheitern einsehen und akzeptieren können.»

SEF.Strategie

Wie können Unternehmen in der herausfordernden Zukunft bestehen? Peter Voser, Verwaltungsratspräsident der ABB-Gruppe, plädierte dafür, langfristige Strategien auch in unruhigen Zeiten nicht ständig zu ändern. «Die heute herrschende Transparenz und die Geschwindigkeit verlangen von den Verwaltungsräten mehr Flexibilität», so Hansueli Loosli, Verwaltungsratspräsident von Coop und Swisscom. Monique Bourquin unterstrich, dass Erfahrung und zu viel Kontinuität auch schädlich sein können. «Wir müssen lernen zu erkennen, wenn etwas falsch war und den Kurs dann auch ändern», sagte die Verwaltungsrätin von Emmi, Kambly und Straumann. Marie-Noëlle Zen-Ruffinen, Verwaltungsrätin der Bâloise Group, pflichtete Bourquin bei: «Wir müssen Scheitern einsehen und akzeptieren können.»

Doris Leuthard

Bundespräsidentin, Vorsteherin des UVEK

Timothy Garton Ash

Renommierter Historiker und Bestseller-Autor

Yvon Chouinard

Gründer von Patagonia und Kletterpionier

Clayton Christensen

Harvard-Professor und Innovationsexperte

Monique Bourquin

Verwaltungsrätin bei Emmi, Straumann und Kambly

Erik Brynjolfsson

Direktor der MIT-Initiative Digitale Wirtschaft

Karl Erivan W. Haub

Inhaber und CEO der Tengelmann-Gruppe

Yuri van Geest

Co-Gründer von ExOxo, Futurologe

Ehud Barak

Ehemaliger israelischer Ministerpräsident

Lionel Schlessinger

Inhaber und CEO der Monopol AG

Caroline Forster

Co-CEO der Forster Rohner Gruppe

Hansueli Loosli

Verwaltungsratspräsident von Coop und Swisscom AG

Marcel Dobler

FDP-Nationalrat und digitec-Gründer

SEF.Award 2017 Remise des prix

Beat Kappeler

Publizist und Autor

Corrado Pardini

SP-Nationalrat und Geschäftsleitungsmitglied der Unia

Eric Scheidegger

Stellvertretender Direktor des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO

Peter Voser

Verwaltungsratspräsident der ABB-Gruppe

Marie-Noëlle Zen-Ruffinen

Präsidentin des Swiss Board Institute, Verwaltungsrätin der Baloise Group